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ForschungsNewsletter des DZLA

Mai 2020 (2/2020)


Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
wir freuen uns, Ihnen den neuen "ForschungsNewsletter" des Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) zuzusenden. Den gesamten Newsletter - bestehend aus "Neues aus dem DZLA" und dem "ForschungsNewsletter" erhalten Sie über den roten Downloadbutton in dieser Mail.

Der Newsletter besteht aus zwei Teilen:
In einem ersten Teil informieren wir Sie über Interessante Neuigkeiten aus dem Dialogzentrum. Hier finden Sie Hinweise auf neue Online-Serien auf dem Blog oder "analoge" Veranstaltungen des DZLA oder des DNQP.
Im zweiten Teil des Newsletters finden Sie das "ForschungsEditorial" des Kollegen Christian Müller-Hergl mit dem Downloadlink zum Gesamtnewsletter inkl. des Forschungsteils.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen

Osnabrück, den 18. Mai 2020,
Ihr Team des DZLA

Nils Hensel
Christian Müller-Hergl
Detlef Rüsing

Info: „(Forschungs-)Newsletter“

Das DZLA versendet etwa acht Mal im Jahr einen Newsletter an die Abonnent*innen. Einmal pro Quartal enthält der Newsletter (so wie der vorliegende) den sogenannten „ForschungsNewsletter“, in welchem der Kollege Christian Müller-Hergl jeweils 15 internationale Studien verständlich auf ihre Kernaussagen reduziert und diskutiert.
Der Newsletter des DZLA findet sich zudem zur Ansicht auf dem Blog des DZLA und kann dort abonniert werden. Da der gesamte ForschungsNewsletter zur Versendung als Mail zu umfangreich wäre, erhalten die Abonnent*innen des Newsletters mit diesem jeweils einen Downloadlink mit dem ForschungsNewsletter.

Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)
Hochschule Osnabrück
49076 Osnabrück
Caprivistr. 30 a

Kontakt:
Tel.: +49(0)541 969 3233
mail: dzla@hs-osnabrueck.de

DZLA online:
DZLA-Blog: https://www.dzla.de/
DZLA-Facebook: https://www.facebook.com/dialogDZLA/
DZLA-Twitter: https://twitter.com/DZLA_HSO
DZLA-Youtube:https://www.youtube.com/channel/UCmizhGiwYw2WuWTPf-xfCLw
ABO ForschungsNewsletter: https://www.dzla.de/forschungsnewsletter-des-dzla/
ABO Podcast WissenstransFair: https://www.dzla.de/podcast-wissenstransfair/
facebook twitter youtube website email 

Editorial (2/2020)


Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum zweiten Newsletter des DZLA im Jahr 2020. Wieder gibt es einen Newsletter des DZLA mit integriertem „ForschungsNewsletter“. Christian Müller-Hergl hat wieder 15(!) interessante Studien herausgesucht, die er für Sie beschreibt und diskutiert.
Zunächst aber möchte ich Ihnen einige wenige Neuigkeiten aus dem DZLA berichten. Vorweg: Die Akzeptanz und Annahme des kostenfreien Online-Angebotes des DZLA wächst und wächst … und das ist wunderbar! Doch dazu später mehr …

Natürlich komme auch ich in diesem Editorial nicht umhin, zunächst einige wenige Zeilen zur derzeitigen Situation zu schreiben. Aber ich verspreche: Es sind nur vier Sätze!
  1. Das Team des DZLA dankt den vielen Personen, die sich Tag für Tag – insbesondere in Pflege und Betreuung vulnerabler Gruppen – gesundheitlichen Gefahren aussetzen, um für andere Personen da zu sein!
  2. Noch nie wurde derart deutlich, wie wichtig wissenschaftliches Arbeiten und wissenschaftliche Ergebnisse für die Praxis/für die Gesellschaft sind!
  3. Noch nie wurde derart deutlich, wie notwendig es ist, mit wissenschaftlichen Ergebnissen die Praxis/die Gesellschaft zu erreichen.
  4. Das Team des DZLA arbeitet – teils im Homeoffice – weiter an der Wissenszirkulation im Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung. (siehe Video vom 23.03.2020) (https://www.dzla.de/auf-die-schnelle/)
Aber natürlich beschäftigen wir uns im DZLA mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf die gerontopsychiatrische Versorgung. Die Effekte – insbesondere der Quarantäne-Maßnahmen – auf Personen in stationären Einrichtungen haben in unterschiedlichem Maße zu mehr Isolation und Vereinsamung betagter Menschen geführt. Aber gibt es diese Vereinsamung und Isolation erst seit Corona? Oder „demaskiert“ – bildlich gesprochen – die „Maske(npflicht)“ unseren Umgang mit vulnerablen psychisch beeinträchtigten Personen in unserer Gesellschaft und führt sie uns drastisch vor Augen? Was können wir tun, was macht das mit den Pflegenden und was können und müssen wir daraus auch für die Zeit nach Corona lernen?! Christian Müller-Hergl und meine Wenigkeit (Detlef Rüsing) werden uns genau mit diesen Gedanken in unserem nächsten „Homeoffice-Haustheater“ am 21. Mai 2020 beschäftigen (https://www.dzla.de/event/haustheater-4/). Und wir hoffen natürlich – wie immer – auf eine rege Beteiligung Ihrerseits!

Und nun habe ich eine wirklich gute Nachricht! Das Team des DZLA hat die DialogAkademie gestartet. Wie bereits mehrfach berichtet, wird die Arbeit des DZLA für drei Jahre (4/2019-3/2022) komplett seitens des Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) finanziert! Das ist einfach wunderbar … - und bestimmt nicht selbstverständlich. Unsere Idee war es deswegen von Beginn an, dauerhaft etwas zur Refinanzierung unserer Stellen als Dialogzentrum im DNQP beizutragen. Was liegt also – bei der Vita von Christian Müller-Hergl und mir [Detlef Rüsing] - näher, als ein kleines, aber feines Fort- und Weiterbildungsprogramm im Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung aufzubauen. Ziel des Programmes ist es nicht, unsere kostenfreie Arbeit im Bereich der Wissenszirkulation zu ersetzen! Vielmehr geht es uns darum, durch das Weiterbildungsprogramm die Grundlage für eine Weiterfinanzierung des kostenfreien Online-Angebotes des DZLA über den dreijährigen Förderzeitraum hinaus zu legen. Aus diesem Grunde werden die Kollegen Müller-Hergl, Rüsing und Hensel selbst zusammen ca. sechs kostenpflichtige Präsenz- oder Onlineseminare im Jahr anbieten. Ab 2021 werden uns dann ausgesuchte ausgewiesene Expertinnen und Experten im Rahmen der DialogAkademie mit eigenen Seminaren unterstützen. Wir vom Team des DZLA selbst wollen bewusst nicht mehr als die genannte Anzahl an kostenpflichtigen Seminaren anbieten, damit wir weiterhin für Sie unter dem Dach des Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) wie bisher die kostenfreie Wissenszirkulation im Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung ausführen und erweitern können. Alles, was derzeit auf dem Blog oder den anderen Social-Media-Kanälen unsererseits kostenfrei angeboten wird, wird weitergeführt und ausgebaut. Glauben Sie mir: Wir haben noch so viele Ideen!
Die ersten drei Seminare sowie natürlich unsere DialogKonferenz zum Thema „Das Team als Therapeuticum“ am 4. November finden noch in diesem Jahr als kostenpflichtige Präsenzseminare statt. Näheres dazu finden Sie in diesem Newsletter unter der Rubrik „Neues aus dem DZLA“ sowie auf unserem Blog (https://www.dzla.de/dialogakademie-seminare/) oder als einzelne Termine in unserem Eventkalender (https://www.dzla.de/events/) .

Ach ja, wo wir schon gerade beim Thema Finanzierung des DZLA sind: Durch die Corona Krise hat sich die Abklärung einer möglichen Online-Spende an das DZLA etwas verzögert. Es wird aber hochschulintern an diesem Thema für uns weitergearbeitet. Eine Spende ist natürlich auch jetzt bereits möglich! Dazu möchten wir Sie bitten, sich direkt mit uns – unter den bekannten Kontaktformen - in Verbindung zu setzen. Wir würden uns sehr freuen. Jede Spende hilft, die Arbeit des DZLA dauerhaft an der Hochschule zu verankern. Werden Sie DZL-Akteur!
Bei Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Wie bereits erwähnt, arbeitet das DZLA mit voller Kraft weiter. Unser Problem ist nicht der Mangel an Ideen, sondern vielmehr der Mangel an Zeit, all unsere Ideen umzusetzen! Die uns geschaffenen Arbeitsbedingungen allerdings – nämlich völlig frei in der Umsetzung eigener Ideen zu sein – empfinde ich tagtäglich als Privileg und wünsche sie Jedem von Ihnen von ganzem Herzen.
Ob wir diese Freiheit (hoffentlich) sinnvoll nutzen, überlassen wir Ihrem Urteil …

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr
Detlef Rüsing
Osnabrück, am 18. Mai 2020


NEUES AUS DEM DZLA

In diesem Teil des Newsletters berichten wir von Neuigkeiten aus dem Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)

Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) startet die „DialogAkademie“


Ab Juni 2020 startet das DZLA die DialogAkademie, in der das Team des DZLA sowie ausgewiesene weitere Expert*Innen Präsenz- und Onlineseminare sowie Tagungen/Konferenzen kostenpflichtig veranstalten. Das Programm der kostenpflichtigen DialogAkademie dient der Verstetigung und Erweiterung des kostenfreien Online-Angebotes des DZLA.

Folgende Seminare sind bereits kostenpflichtig buchbar (alle Veranstaltungen an der Hochschule Osnabrück):
  • November 2020: DialogKonferenz zum Thema „Das Team als Therapeuticum“
  • November 2020: Ganztagesseminar - Persönlichkeitsstörungen im Alter
  • Dezember 2020: Ganztagesseminar - Pflege von Menschen mit Depression im Alter
  • Dezember 2020: Ganztageseminar – Angst & Demenz
Sämtliche Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf dem Blog des DZLA (https://www.dzla.de/dialogakademie-seminare/) oder im Eventkalender (https://www.dzla.de/events/).



Ihr Platz im DZLA


SCHALTEN SIE SICH EIN UND POSTEN IHREN BEITRAG
Ihre Institution hat eine praxisrelevante Studie im Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung durchgeführt, deren Ergebnisse Sie zur Information und Diskussion auf unserem Blog verbreiten wollen? Ihre Einrichtung praktiziert ein Versorgungskonzept welches als Best-Practice Modell nach Nachahmung ruft? Sie haben als Person eine besondere Idee, die sie unter das Volk bringen wollen?
In unserer Serie „Ihr Platz …“ machen wir genau das, was der Serienname verspricht: Wir verschaffen Ihnen einen Platz im „Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)“.

An jedem dritten Donnerstag im Monat wartet „Ihr Platz …“ auf Sie. Ob Einzelperson, Forschungsinstitution, Pflegeanbieter oder … oder ... oder …. Einzige Voraussetzung: Sie produzieren den Beitrag – in egal welchem Format – in Absprache mit uns und wir begleiten Sie redaktionell. Das letzte Wort, ob der Beitrag veröffentlicht wird, allerdings liegt bei uns. Darum sprechen wir vor der Produktion miteinander.

SIE HABEN EINE IDEE?
Nähere Informationen: https://www.dzla.de/ihr-platz-im-dzla/
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!




Unterstützen Sie uns: Werden Sie DZL-Akteur


Die Arbeit des Dialogzentrums auf den Social-Media-Kanälen ist für Nutzer*innen vollkommen kostenfrei und soll es auch in Zukunft bleiben. Allerdings kosten die Mitarbeiter des DZLA natürlich Geld und werden derzeit vollständig
vom DNQP getragen.
Wir arbeiten von Beginn an inhaltlich vollkommen frei und unabhängig und sind Niemandem verpflichtet. Wir wissen das natürlich zu schätzen und gehen verantwortungsvoll damit um, denn genau diese Unabhängigkeit ist in unseren Augen notwendig und wichtig.
Damit dies aber so bleiben kann, bieten wir Ihnen an, uns finanziell zu unterstützen. Das DZLA als Zentrum im DNQP an der Hochschule Osnabrück ist gemeinnützig und kann Ihnen die Spende entsprechend bescheinigen. Sie können sich jederzeit bei uns persönlich melden, damit wir bezüglich eines Spendenvorhabens miteinander sprechen können.
Werden Sie DZL-Akteur:
Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)
Tel: +49 (0)541/969-3233
Mail: d.ruesing(at)hs-osnabrueck.de
dzla@hs-osnabrueck.de
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Editorial - ForschungsNewsletter


Mit unserem ForschungsNewsletter wollen wir Ihnen regelmäßig alle 3 Monate eine Auswahl von 15 Studien aus dem Forschungsfeld Gerontopsychiatrie vorstellen. Dies ist ein weites Feld mit einer sehr breiten Palette von Themen. Wir hoffen mit der einen oder anderen Auswahl Ihr Interesse getroffen zu haben. Falls nicht, geben Sie uns einen Hinweis, was Sie interessiert. Gerne gehen wir dem nach.
An dieser Stelle möchten wir Sie darauf hinweisen, dass sowohl Auswahl als auch Zusammenfassung der einzelnen Studien subjektiv sind und nicht das Lesen der Originalstudien ersetzen. Zu diesem Zweck sind jeweils die Originalquellen verzeichnet.

Ihr Team des DZLA



Zunächst eine kurze Übersicht zu den vorgestellten Studien:

Die Auswahl von Studien in diesem dritten Newsletter weist vier Schwerpunkte auf: es beginnt mit einigen Studien zur Ernährungspflege, gefolgt von Studien zum Heimeinzug, sodann einige Arbeiten zu Milieu und Technik sowie zu Angehörigen. Drei einzelne Studien zur Inanspruchnahme psychiatrischer Dienste, zu Patiententestamenten (Behandlungen im Voraus planen) und zum Umgang mit Halluzinationen schließen diesen Newsletter ab. Im Unterschied zu den ersten beiden Veröffentlichungen ist diese etwas „demenzlastig“. Interessante Studien zur psychiatrischen Pflege alter Menschen finden sich vergleichsweise seltener.

Schwerpunkt: Ernährung und Ernährungspflege
Ob Menschen mit Demenz genügend Speisen aufnehmen hängt auch wesentlich von der Beziehungsqualität ab, Je individueller die Person und die Pflegekraft aufeinander eingestimmt sind, desto besser auch die Nahrungsaufnahme. Dies erfordert Zeit, Geduld aber auch Respekt. Fördert man die Selbstständigkeit, dann nehmen die Personen vergleichsweise mehr Nahrung zu sich. Speisen ist eben auch immer eine soziale Handlung. (1) Vielfach verbreiteter Standards und Leitlinien zum Trotz werden Fragen der Ernährungspflege wenig beachtet. Zwar wird viel gemessen, gewogen, berechnet, an der praktischen Umsetzung und Kontrolle der Planungen aber mangelt es. Zumeist sind es enge Zeitvorgaben, vorgegebene Handlungskorridore, aber auch akutmedizinische Prioritätensetzungen, die eine adäquate Ernährungspflege zu kurz kommen lassen. (2) Auch das Geschmacksempfinden ist bei Menschen mit Demenz tangiert mit der Folge, dass der Geschmack der Speisen stärker ausfallen muss um erkannt zu werden. Dies betrifft besonders die Geschmacksqualität ‚umami‘, ein japanischer Begriff, der für den würzigen Geschmack bei Fisch- und Fleischspeisen steht. Geschmacksverstärker werden als sinnvolles Additiv für die Nahrung von Menschen mit Demenz diskutiert. (3)

Schwerpunkt: Umzug ins Heim
Im ersten Artikel dieser Reihe wird deutlich, dass Angehörige zumeist schlecht informiert und überfordert sind sowie unter hohem Zeitdruckstehen, wenn sie den Übergang ins Heim organisieren müssen. Sie beklagen den Mangel an Information, Beratung und Begleitung. Menschen mit Demenz werden an diesen Entscheidungen kaum beteiligt. Pflegende sollten qualifiziert werden, diese Vermittlungs- und Begleitaufgabe zu gestalten. (4) Ein wesentlicher Grund für Heimaufnahmen ist mangelndes Wissen bezüglich möglicher Alternativen. Besonders erwachsene Kinder kommen hier schnell an ihre Grenzen. Wer diese Entscheidung trifft (treffen muss), der fühlt sich häufig überfordert und allein gelassen. Für alle stellt der Akt der Heimaufnahme eine familiäre Zäsur dar. Noch lange danach sind Angehörige mit Schuldgefühlen und Rechtfertigungsversuchen unterwegs. (5) Umzüge wirken sich mehrheitlich negativ auf Menschen mit Demenz aus. Von erhöhter Sterblichkeit, gesundheitlichen Verschlechterungen und einer Zunahme psychischer Symptome wird berichtet. Allerdings: werden die Betroffenen an der Entscheidung beteiligt und wird der Umzug gut vorbereitet, dann wirkt er sich weniger negativ aus. Schlecht vorbereitete und abrupte Umzüge dagegen können einer Traumatisierung gleichkommen. (6)

Schwerpunkt: Milieu und Technik
In der ersten Studie werden wesentliche Ankerpunkte der Milieugestaltung zusammengefasst. Insgesamt gilt es, einen ‚erleichternden‘ Ansatz zu entwickeln, demgemäß die Umwelt keine zusätzlichen Hürden oder Blockaden mit sich bringt. Kleine Einheiten, die einfach aber familiär gestaltet sind, haben sich insgesamt bewährt. Zunehmend ergeben sich aus der neuropsychologischen Forschung hilfreiche Hinweise für die Milieugestaltung (Sicherheit und Neugierde). (7) Eine wichtige Information für den Umgang mit herausforderndem Verhalten bilden die Kontexte: wann, wo, mit wem, in welcher Situation? Die Studie stellt ein web-basiertes Assessment-Instrument vor, um Verhalten zeitnah und reich an Kontext abzubilden. (8) Überwachungstechnologien im Heim werden einerseits begrüßt, da sie den Betreuenden mehr Sicherheit und den Personen mit Demenz mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen. Andererseits werden mit diesen Techniken indirekt auch die Handlungen und das Verhalten von Pflegenden offenbar. Dies scheint aber weder die Leitenden noch die Pflegenden sonderlich zu stören: Bedenken werden nur in Bezug auf die Verletzung der Privatheit der Bewohner vorgebracht. Interessant: die Daten dienen praktischerweise eher der Rechtfertigung gegenüber Aufsichtsbehörden und Angehörigen. Es mehr darum, den Haftungsausschluß zu sichern als Bewohnern mehr subjektiv empfundene Freiheit zu gewähren. (9) Können technische Systeme Menschen mit Demenz in eigner Häuslichkeit durch gezielte Ansagen helfen, Tätigkeiten des täglichen Lebens besser zu meistern? Tatsächlich ist es eher sehr schwierig, die Systeme auf den individuellen Bedarf ‚einzuschleifen‘. Es kommt immer wieder zu Missverständnissen, die dann doch nur durch den Einsatz einer realen (und nicht virtuellen) Person aufgelöst werden können. Wenn überhaupt, dann empfehlen sich diese Systeme nur am Beginn der Demenz, dort werden sie aber am wenigsten gebraucht. (10)

Schwerpunkt: Angehörige:
Die Lebensqualität pflegender Angehöriger bildet einen wichtigen Faktor für die Lebensqualität von Menschen mit Demenz. Um gezielt unterstützen zu können bedarf es einer leitenden, empirisch gesicherten Theorie, die Strategien für Hilfen abzuleiten erlaubt. Das beschriebene Modell macht das komplexe Geflecht miteinander verwobener Einflussfaktoren sichtbar. (11) Im Laufe der Demenz lässt die Fähigkeit nach, Emotionen anderer zu erkennen. Dennoch scheinen die kognitiven und emotionalen Kompetenzen eher locker mit viel individuellem Spielraum verbunden zu sein: es hängt davon ab, welche Hirnregionen besonders betroffen sind. Die mangelnde interaktive Emotionserkennung führt zu Missverständnissen, Ärger und Frustrationen. Je besser sie erhalten ist, desto schlechter allerdings geht es den Angehörigen, wohl deswegen, weil die Demenz das Verhalten weniger ‚entschuldigt‘. Ähnliche Befunde liegen für Familien vor, in denen ein Mitglied psychisch erkrankt ist. (12)

Ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen werden fast ausschließlich medikamentös behandelt. Der Annahme psychiatrische Dienste steht entgegen, dass viele meinen, man müsse mit solchen Problemlagen selber zurechtkommen. Weiterhin sind psychiatrische Dienste älteren Menschen kaum bekannt. Erst bei gravierenden Beeinträchtigungen kommt es auf Betreiben des Hausarztes zur Nutzung psychiatrischer Dienste. (13) Nur eine Minderheit älterer Menschen nehmen (zusammen mit Angehörigen) eine Beratung in Anspruch, wenn sie ein Patiententestament verfassen. Vorliegende Studie stellt ein System für die Vorausplanung von Behandlungen für in eigener Häuslichkeit lebende alte Menschen vor, bei dem speziell qualifizierte Pflegekräfte eine Schlüsselrolle einnehmen. Es handelt sich um einen mit den ambulanten Diensten assoziierten Liaison-Dienst, so dass diese ‚Spezialisten‘ nicht unbegleitet und unbekannt alte Menschen mit existenziellen Fragen überfordern. In der Regel bevorzugen alte Menschen nicht-invasive, nicht-aggressive Behandlungen am Lebensende. (14) Halluzinationen bei Demenz machen den betroffenen Personen vergleichsweise weniger zu schaffen: sie werde eher als Ärgernis denn als Problem wahrgenommen. Viele gewinnen Einsicht in die Natur der Wahrnehmungen und lernen, damit gut umzugehen (Scheinhalluzinationen). Mit dem Verlust der Einsicht wachsen die Konflikte und allseits die Ratlosigkeit im Umgang. Die Studie beschreibt verschiedene Strategien, die bei Angehörigen zur Anwendung kommen. (15)

Wenn immer möglich werden wir zukünftig Artikel zu Themenschwerpunkten zusammenstellen. Wir hoffen, dass die heutige Auswahl Ihr Interesse gefunden hat. Wenn Sie uns Anregungen mit auf den Weg oder Feedback geben wollen, sind wir dafür immer dankbar.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr
Christian Müller-Hergl
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