SmallLogo

ForschungsNewsletter des DZLA

November 2019 (1/2019)


Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
es ist so weit! Wir freuen uns, Ihnen den ersten "Newsletter" des Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) zuzusenden. Den gesamten Newsletter - bestehend aus "Neuem aus dem DZLA" und dem "ForschungsNewsletter" erhalten Sie über den roten Downloadbutton in dieser Mail.

Der Newsletter besteht aus zwei Teilen:
In einem ersten Teil informieren wir Sie über Interessante Neuigkeiten aus dem Dialogzentrum. Hier finden Sie Hinweise auf neue Online-Serien auf dem Blog oder "analoge" Veranstaltungen des DZLA oder des DNQP.
Im zweiten Teil des Newsletters finden Sie das "ForschungsEditorial" des Kollegen Müller-Hergl mit dem Downloadlink zum Gesamtnewsletter inkl. des Forschungsteils.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen

Osnabrück, den 19. Oktober 2019,
Ihr Team des DZLA

Nils Hensel
Christian Müller-Hergl
Detlef Rüsing
Hochschule Osnabrück
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)
Postadresse: Albrechtstr. 30, 49076 Osnabrück
Besucheradresse: Caprivistr. 30 a; 49076 Osnabrück (Gebäude CH, Raum 0110A)

Kontakt:
mail: dzla@hs-osnabrueck.de
Tel.: +49 (0)541/969-3233

DZLA online:
Blog: https://www.dzla.de/
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCmizhGiwYw2WuWTPf-xfCLw
Facebook: https://www.facebook.com/dialogDZLA
Twitter: https://twitter.com/DZLA_HSO
Abonnieren Sie unseren (Forschungs)Newsletter
facebook twitter youtube website email 

Auf ein Wort...

- Neuigkeiten November 2020! - An jedem ersten Dienstag im Monat erscheint ein Video auf dem Blog des DZLA, mit allen Neuigkeiten, der Bilanz der letzten Wochen und was im aktuellen Monat auf dem Blog und in der realen Welt vom DZLA erwarten werden kann. Es bleibt spannend! https://www.youtube.com/watch?v=rVxNErUWIYI&feature=youtu.be Themen im Oktober Post aus dem DNQP Neuigkeiten zum Weiterbildungsprogramm in …
Dialogzentrum-Leben-im-Alter-DZLA-Font

Editorial (1/2019)


Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum ersten Newsletter des Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) an der Hochschule Osnabrück. Das DZLA ist als Zentrum unter dem Dach des Deutschen Netzwerk(s) für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) der Hochschule verankert.

Am 1. April 2019 gründeten mein Kollege Christian Müller-Hergl und ich (Detlef Rüsing) zusammen mit dem Leiter des DNQP, Prof. Andreas Büscher, das DZLA. Kurz danach vervollständigte der Medienredakteur Nils Hensel unser Team.

Einige der geneigten Leser dieses Newsletters kennen die Arbeit von Christian Müller-Hergl und mir aus unserer gemeinsamen 15-jährigen Zeit im ebenfalls von uns gegründeten Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Uni Witten/Herdecke, welches in Art und Ausrichtung ohne Weiteres als Vorläufer des DZLA gesehen werden kann. Ebenso wie das DZD hat sich das Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) der Wissenszirkulation zwischen Forschung und Praxis verschrieben; dies allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Das DZLA nimmt nicht nur die Versorgung an einer Demenz erkrankter Personen in den Blick. Ganz bewusst haben wir uns dafür entschieden, den Fokus unserer Arbeit von der Demenz auf die gerontopsychiatrische Versorgung zu erweitern. Neben dem Umstand, dass wir zu wenig wissenschaftlich fundiertes Wissen über bestimmte gerontopsychiatrische Erkrankungen und den pflegerischen Umgang mit den erkrankten Personen haben, verteilt sich das vorhandene Wissen auf Forschende und Praktiker, die wiederum wenig miteinander kommunizieren. Das Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) arbeitet an genau dieser Schnittstelle und hat sich die Beförderung der Wissenszirkulation zwischen Forschung und Praxis zum Ziel gesetzt (ausführlicher dazu unter „Idee und Konzept des DZLA“ auf unserem Blog: https://www.dzla.de/idee-konzept/).



FÜR EINEN AUSTAUSCH AUF AUGENHÖHE

ZWISCHEN

FORSCHUNG UND PRAXIS



Das DZLA versendet etwa acht Mal im Jahr einen Newsletter an die Abonnentinnen und Abonnenten. (man kann den Newsletter hier abonnieren: https://www.dzla.de/forschungsnewsletter-des-dzla/
Einmal im Quartal enthält der Newsletter (so wie der vorliegende) den sogenannten „ForschungsNewsletter“, in welchem der Kollege Müller-Hergl jeweils 15 internationale Studien verständlich auf ihre Kernaussagen reduziert und diskutiert.
Der Newsletter des DZLA findet sich zur Ansicht auf dem Blog des DZLA und kann dort abonniert werden (https://www.dzla.de/forschungsnewsletter-des-dzla/). IDie Abonneten und Abonnentinnen des Newsletters erhalten mit diesem vier Mal jährlich einen Downloadlink mit dem ForschungsNewsletter.

Das Team des DZLA ist an der Hochschule Osnabrück und insbesondere am DNQP mit offenen Armen empfangen worden. Das tat und tut uns allen sehr gut. Wir haben die volle Freiheit und Unabhängigkeit hinsichtlich der Inhalte und der Form der Gestaltung unserer Inhalte … - das ist nicht selbstverständlich (und deswegen umso erfreulicher!) Diese Freiheit ist für uns Ansporn und Verantwortung zugleich! Wir fühlen uns hier in Osnabrück „pudelwohl“ und hoffen, dass man das unserer Arbeit anmerken kann. Wir haben Ideen über Ideen für analoge und digitale Transferinhalte und -formate, welche wir nach und nach an Sie herantragen werden. Und wir sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen, Anregungen und Kritik. Wir sind schließlich ein Dialogzentrum und hoffen, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dazu brauchen wir Sie!

Ihr
Detlef Rüsing

NEUES AUS DEM DZLA

In diesem Teil des Newsletters berichten wir von Neuigkeiten aus dem Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)

Dialogzentrum Leben im Alter startet diverse digitale Wissens-Formate


Seit Oktober 2019 ist das DZLA mit seinen Social-Media Kanälen online. Im Zentrum das digitalen Wissenstransfers steht der Blog des DZLA (https://www.dzla.de/). Das Team postet 1-2 pro Woche (Dienstag und Donnerstag) selbsterstellte Beiträge, die in Form von Print-, Audio- oder Video-Beiträgen erscheinen.
So werden in der Serie „Lichtblicke“ außergewöhnliche Studien oder beispielsweise „Best-Practice“- Modelle in der gerontopsychiatrischen Versorgung vorgestellt, die nach Meinung des DZLA einen „Lichtblick“ in der Gerontopsychiatrie darstellen können und zur Nachahmung empfohlen werden.
Ein weiteres Format ist das „Haustheater“, in dem Christian Müller-Hergl und Detlef Rüsing kontrovers über Fragestellungen in der Pflege diskutieren. In der ersten Folge tauschen sich die Beiden zum Thema „Ist Fort- und Weiterbildung vor dem Hintergrund schwieriger Rahmenbedingungen in der Pflege unethisch?“ aus. Weitere Formate, die unter anderem bereits auf dem Blog und den weiteren Kanälen gepostet wurden, sind „Fallbesprechungen“ und beispielsweise die Serie „Köpfe“, in der Personen ihren Tätigkeiten/Studien/Ideen vorstellen, die unserer Ansicht nach wichtig für die gerontopsychiatrische Praxis sind. Ein erster vorgestellter „Kopf“ war die Pflegepädagogin Karin Welling, die ihre Studie zur Kommunikation zwischen Betreuenden und Personen mit weit fortgeschrittener Demenz in einem Video vorstellte.
Die Beiträge können und sollen auf den Social-Media-Kanälen des DZLA kommentiert und diskutiert werden.

DZLA online:
Blog: https://www.dzla.de/
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCmizhGiwYw2WuWTPf-xfCLw
Facebook: https://www.facebook.com/dialogDZLA
Twitter: https://twitter.com/DZLA_HSO



DZLA launcht eigenen Podcast „WissenstransFair“


Im November 2019 hat das DZLA seinen eigenen Podcast „WissenstransFair“ ans Netz gebracht. Das DZLA nimmt mit diesem Podcast den Wissenstransfer und die Wissenszirkulation selbst in den Fokus. Sind YouTube, Facebook, Twitter, ein Blog oder eher analoge Transferformate wie Workshops, Vorträge oder Printartikel die richtigen Formate für den Wissenstransfer in der gerontopsychiatrischen Pflege? Wie sorgen wir dafür, dass Forschungsergebnisse in der Praxis landen? Diese und weitere Fragen werden im Podcast „WissenstransFair“ angesprochen und/oder pointiert diskutiert.

Abonnieren und hören Sie die erste Episode unseres Podcasts „WissenstransFair“: https://www.dzla.de/podcast-wissenstransfair/



Ihr Platz im DZLA


SCHALTEN SIE SICH EIN UND POSTEN IHREN BEITRAG

Ihre Institution hat eine praxisrelevante Studie im Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung durchgeführt, deren Ergebnisse Sie zur Information und Diskussion auf unserem Blog verbreiten wollen? Ihre Einrichtung praktiziert ein Versorgungskonzept welches als Best-Practice Modell nach Nachahmung ruft? Sie haben als Person eine besondere Idee, die sie unter das Volk bringen wollen?
In unserer Serie „Ihr Platz …“ machen wir genau das, was der Serienname verspricht: Wir verschaffen Ihnen einen Platz im „Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)“.

An jedem dritten Donnerstag im Monat wartet „Ihr Platz …“ auf Sie. Ob Einzelperson, Forschungsinstitution, Pflegeanbieter oder … oder ... oder …. Einzige Voraussetzung: Sie produzieren den Beitrag – in egal welchem Format – in Absprache mit uns und wir begleiten Sie redaktionell. Das letzte Wort, ob der Beitrag veröffentlicht wird, allerdings liegt bei uns. Darum sprechen wir vor der Produktion miteinander.

SIE HABEN EINE IDEE?
Nähere Informationen: https://www.dzla.de/ihr-platz-im-dzla/
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!



Save the Date: DialogKonferenz zum Thema „Team“


Das DZLA veranstaltet seine erste DialogKonferenz an der Hochschule Osnabrück am 26. Mai 2020. Im thematischen Zentrum der Tagung steht das gerontopsychiatrische Team. Weitere Informationen zu Inhalt und Anmeldung folgen in Kürze auf unserem Blog (https://www.dzla.de/).



Neue Serie des DZLA: „Post aus dem DNQP“


Das Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) firmiert unter dem Dach des Deutschen Netzwerk(s) für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Hochschule Osnabrück. Dessen Leiter, Prof. Andreas Büscher, war maßgeblich daran beteiligt, dass das DZLA als Zentrum im DNQP gegründet werden konnte. Jeden ersten Donnerstag eines Monats zeichnet das DNQP für den Beitrag auf dem Blog des DZLA verantwortlich … – mit anderen Worten: Es gibt neue “Post aus dem DNQP”
(https://www.dzla.de/)

NEUES AUS DEM DNQP

In diesem Teil des Newsletters berichten wir von Neuigkeiten aus dem Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP).

Netzwerk-Workshop zum Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege


Am 21. Februar 2020 findet an der Hochschule Osnabrück der 22. Netzwerk-Workshop zur 2. Aktualisierung des Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege statt. In Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion werden Themen rund um das Entlassungsmanagement vorgestellt und diskutiert sowie in mehreren Arbeitsgruppen vertieft. Weitere Informationen finden Sie in der Programmbroschüre, eine Anmeldung ist über die Homepage des DNQP möglich.

Weiterbildungsprogramm zur Arbeit mit den Expertenstandards und Auditinstrumenten


Das DNQP bietet seit rund drei Jahren für Pflegefachkräften in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen ein Unterstützungsangebot bei der Auseinandersetzung und der Arbeit mit Expertenstandards und Auditinstrumenten an. Das Programm besteht aus zwei Modulen, die inhaltlich aufeinander aufbauen, jedoch je nach individuellem Bedarf einzeln gebucht werden können. Weitere Informationen zu Inhalt und Struktur des Angebotes sowie aktuelle Veranstaltungstermine und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der Homepage des DNQP.

girl_Old_woman_combined

Editorial - ForschungsNewsletter


Mit unserem ersten Newsletter des DZLA wollen wir eine Tradition des DZD (Dialog- und Transferzentrum Demenz) fortführen und Ihnen regelmäßig alle 3 Monate eine Auswahl von 15 Studien aus dem Forschungsfeld Gerontopsychiatrie vorstellen. Dies ist ein weites Feld mit einer sehr breiten Palette von Themen. Wir hoffen mit der einen oder anderen Auswahl Ihr Interesse getroffen zu haben. Falls nicht, geben Sie uns einen Hinweis, was Sie interessiert. Gerne gehen wir dem nach.
An dieser Stelle möchten wir Sie darauf hinweisen, dass sowohl Auswahl als auch Zusammenfassung der einzelnen Studien subjektiv sind und nicht das Lesen der Originalstudien ersetzen. Zu diesem Zweck sind jeweils die Originalquellen verzeichnet.

Ihr Team des DZLA



Zunächst eine kurze Übersicht zu den vorgestellten Studien:

Allen Empfehlungen zum Trotz geht eine deutliche Reduzierung von Psychopharmaka mit einer Verschlechterung der Lebensqualität einher – zumeist hört man eher Gegenteiliges. Die Mehrzahl der praktisch tätigen Ärzte und Pflegenden scheinen die Überzeugung zu hegen, dass antipsychotisch wirksame Medikamente notwendig und nicht durch nicht-pharmakologische Möglichkeiten ersetzbar sind. Die Sedierung schreiben sie mehrheitlich eher dem fortgeschrittenen Alter und der Demenz, nicht aber den Medikamenten zu. Eine Steigerung der Lebensqualität ist eher vermehrter sozialer Aktivität, nicht aber einer Verminderung antipsychotisch wirksamer Medikamente geschuldet. (1)

Angehörige melden zurück: erfahrene und medizinisch sowie pflegerisch kompetente Pflegekräfte sind für die Qualität der Sterbephase ganz entscheidend. Sie können Krisen gut begleiten und schafften einen sicheren Rahmen, auf den man sich verlassen könne. So könnte man sich selbst viel mehr mit dem Sterben des Verwandten beschäftigen und müsse sich nicht um die Begleitumstände kümmern. (2)

Frauen, die sich ihr Leben lang um andere gekümmert und eher haushaltliche Tätigkeiten ausgeübt haben, haben Mühe, sich im Alter helfen und versorgen zu lassen. Vermutet wird, dass die Sorge für andere und anderes das Identitätsgefühl bestimmt und ein Verlust dieses Rahmens eine Art Sinnkrise auslöst. Frauen, die sich weniger mit der Sorge für andere beschäftigt und sich damit identifiziert haben, konnten sich besser den alters- und demenzbedingten Veränderungen anpassen. (3)

Insgesamt nimmt der Alkoholkonsum in Europa beständig zu, im Alter aber mehrheitlich eher ab. Immerhin 22% der untersuchten Personen wiesen auch im Alter noch einen schädlichen Gebrauch auf, am höchsten in Dänemark. Männer trinken zwar häufiger und mehr, mit zunehmendem Alter aber insgesamt weniger. Bei Frauen bleibt der Konsum eher gleich. Geschiedene und verwitwete Männer sind vergleichsweise besonders gefährdet. (4)

Soziale Aktivität und Teilhabe, Gesundheit und körperliche Aktivität sowie eine geringe Neigung zur Depressivität stellen die wichtigsten beeinflussbaren Faktoren für eine Demenz im Alter dar. Diese Faktoren, insbesondere aber soziale Aktivitäten, sind in etwa mit dem Faktor Alter gleichgewichtig, will heißen: sie können zumindest eine Zeitlang dementogene Faktoren, die mit dem Altern per se zusammenhängen, kompensieren. Ein aktives Sozialleben bildet dabei ein besonders bedeutsames Gegengewicht gegen kognitive Einbußen. (5)

Bei der Einführung neuer Pflegekonzepte hat es sich bewährt, Pflegenden ein gut durchstrukturiertes ‚Handwerkzeug‘ mitzugeben (siehe 15), um sich gut einzuarbeiten und das Erlernte einfach und schnell anwenden zu können (‚ready to use‘). Ein derartig gut durchstrukturiertes Programm stellt die ‚Namaste Care‘ dar – eine Möglichkeit, mit Menschen mit Demenz in der Endphase gut und sicher Beziehungs/Kontaktarbeit anhand körperlicher und stimulierender Möglichkeiten durchzuführen. Pflegende und Angehörige bekunden hohe Zufriedenheit mit diesem Ansatz. (6)

Patienten mit einem hohen physischen und psychischen Pflegebedarf stellen eine beachtliche Herausforderung dar – nicht nur im Pflegeheim, sondern auch in der Psychiatrie (‚double care patients‘). Etwa ¼ der Personen leiden zudem an Persönlichkeitsveränderungen und fronto-temporalen Beeinträchtigungen, die allerdings beide wenige Beachtung geschweige Behandlung erfahren. Die Arbeit mit dieser Patientengruppe erfordert eine hohe pflegerische Kompetenz. Insbesondere müssen Pflegende in der Lage sein, zwischen verschiedenen Beziehungsformen bzw. Handlungsskripten schnell hin- und her springen zu können. (7)

Angehörigen fällt es schwer, den Alltag zuhause interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Ebendies erwarten sie dann von der Tagespflege. Allerdings gewinnen Angehörige eher den Eindruck, dass dort die Bedarfe sehr abhängiger Patienten dominieren und sich Personen mit leichter bis mittelschwerer Demenz eher langweilen. Damit wachsen die Mühen, die Patienten zur Teilnahme zu motivieren. Es müsse mehr Außenaktivitäten, mehr Bewegung und arbeitsähnliche Aufgaben geben. Angehörige empfehlen, an der Entwicklung individualisierter Tätigkeitspläne mitwirken zu können und insgesamt Gruppenangebote mehr zu individualisieren und zu differenzieren. (8)

Fallbesprechungen erweisen sich als sinnvolles Instrument für alle Beteiligten, bedürfen aber einer klaren Beauftragung, stabiler Rahmenbedingungen und einer zusätzlichen Finanzierung. Selbst unter diesen im Projekt zusätzlich finanzierten Bedingungen gelang die Implementierung nur zu etwa 50%. In der Regel hatten Fallbesprechungen eine verbesserte Kommunikation sowie ein vertieftes Verständnis für die betroffene Person zur Folge. Beides erleichterte Umgang und Pflege erheblich. (9)

Das Horten nutzloser Dinge sowie die Verwahrlosung nehmen mit dem Älterwerden deutlich zu. Es betrifft zum einen Personen, die schon früh im Leben Mühe hatten, sich von Dingen zu trennen, sowie Personen mit einer Alkoholabhängigkeit. Personen, die horten, lassen sich mehrheitlich ungern helfen, da sie bislang wenig gute Erfahrungen mit Unterstützung gemacht haben. Es gibt kaum Studien oder Evidenzen für einen adäquaten pflegerischen Umgang. Es kann vermutet werden, dass eine gute ambulante psychiatrische Pflege mit einem wohlüberlegten Beziehungsaufbau am ehesten geeignet sein wird, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. (10)

Stürze in der eigenen Wohnung leiten oft einen weitgehenden Niedergang ein. Eine Forschungsgruppe aus Großbritannien erarbeitete 3 zentrale Empfehlungen für das Vorgehen im multidisziplinären Team. Die Autoren heben besonders die Interventionslänge hervor: empfohlen werden nach Stürzen 22 Einsätze eines Physiotherapeuten über 12 Wochen. In einem Praxisprojekt werden die Empfehlungen zurzeit überprüft. (11)

Menschen mit Demenz sind sich sozialer Situationen durchaus bewusst und reagieren auf das jeweilige Gegenüber verbal und non-verbal differenziert und situationsadäquat. Sie spiegeln das Verhalten des Angehörigen ‚konkordant‘, will heißen: schwingen sich auf mehreren Ebenen präzise in das Angebot ein, das ihnen gemacht wird. Diese Arbeit ist von besonderer Bedeutung, da in der Regel die Vermutung besteht, dass kognitive Einbußen auch einhergehen mit einem Niedergang emotionaler und sozialer Kompetenzen. (12)

Ein guter, zulassender Umgang mit sexuellen Bedürfnissen alter Menschen im Heim stellt einen indirekten Beleg für eine personzentrierte Haltung dar. Zudem zeigt sich daran, welches Leitbild prägend ist und wie geführt und geleitet wird. Interessanterweise führen Regeln und Positionierungen eher zu einer ablehnenden Haltung. Mit dem Alter hat eine zulassende Haltung nichts zu tun, wohl aber mit dem Ausbildungsgrad. (13)

Es ist allen Widerständen zum Trotz gut möglich, personzentrierte Pflege in Einrichtungen einzuführen und dauerhaft zu verankern. Das englische Programm WHELD ist bemerkenswert differenziert und klug durchdacht: es setzt auf den Einbezug der Leitungen, der gezielten Schulung von Multiplikatoren, einem Set gut vorstrukturierter Maßnahmen (‚ready to use‘) samt Implementierungsanweisung bis ins Detail sowie eine lange Begleitung durch externe Experten. Kostenmäßig schlägt es nicht sehr hoch zu Buche. Beeindruckend an der Studie ist die deutliche Verbesserung der Lebensqualität der Klienten, sichtbar besonders an der Vermehrung und Intensivierung sozialer Aktivitäten – siehe 1. (14)

Zum Schluss soll es im Forschungsnewsletter um Forschung gehen. In der Mehrzahl aller Forschungen im Themenfeld Gerontopsychiatrie geht es um Menschen mit Demenz und dort noch einmal um Interventionen, um herausforderndes Verhalten zu beeinflussen. Zunehmend ist die angezielte Effektgröße eher Wohlbefinden und nicht, dass das Verhalten verschwindet oder abnimmt. Während die Mehrzahl der Studie sich immer noch mit dem Verschwinden unerwünschter Symptome befasst, widmet sich eine zunehmende Anzahl der Studien der Frage, wie Menschen besser und zufriedener leben können auch dann, wenn die Symptomatik unverändert bestehen bleibt. Vernachlässigte Forschungsthemen sind die ambulante Pflege sowie die Versorgung am Lebensende. (15)

Christian Müller-Hergl
facebook twitter youtube website email 
MailPoet