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ForschungsNewsletter des DZLA

August 2020 (3/2020)


Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
wir freuen uns, Ihnen den neuen "ForschungsNewsletter" des Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA) zuzusenden. Den gesamten Newsletter - bestehend aus "Neues aus dem DZLA" und dem "ForschungsNewsletter" erhalten Sie über den roten Downloadbutton in dieser Mail.

Der Newsletter besteht aus zwei Teilen:
In einem ersten Teil informieren wir Sie über Interessante Neuigkeiten aus dem Dialogzentrum und dem DNQP. Hier finden Sie Hinweise auf neue Online-Serien auf dem Blog, Neuigkeiten aus der DialogAkademie sowie Tätigkeiten der DZLA-Teams ausserhalb der Hochschule.
Im zweiten Teil des Newsletters finden Sie das "ForschungsEditorial" des Kollegen Christian Müller-Hergl mit dem Downloadlink zum Gesamtnewsletter inkl. des Forschungsteils.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen

Osnabrück, den 18. August 2020,
Ihr Team des DZLA

Nils Hensel
Christian Müller-Hergl
Detlef Rüsing

Info: „(Forschungs-)Newsletter“

Das DZLA versendet etwa acht Mal im Jahr einen Newsletter an die Abonnent*innen. Einmal pro Quartal enthält der Newsletter (so wie der vorliegende) den sogenannten „ForschungsNewsletter“, in welchem der Kollege Christian Müller-Hergl jeweils 15 internationale Studien verständlich auf ihre Kernaussagen reduziert und diskutiert.
Der Newsletter des DZLA findet sich zudem zur Ansicht auf dem Blog des DZLA und kann dort abonniert werden. Da der gesamte ForschungsNewsletter zur Versendung als Mail zu umfangreich wäre, erhalten die Abonnent*innen des Newsletters mit diesem jeweils einen Downloadlink mit dem ForschungsNewsletter.

Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)
Hochschule Osnabrück
49076 Osnabrück
Caprivistr. 30 a

Kontakt:
Tel.: +49(0)541 969 3233
mail: dzla@hs-osnabrueck.de

DZLA online:
DZLA-Blog: https://www.dzla.de
DZLA-Facebook: https://www.facebook.com/dialogDZLA/
DZLA-Twitter: https://twitter.com/DZLA_HSO
DZLA-Youtube:https://www.youtube.com/channel/UCmizhGiwYw2WuWTPf-xfCLw
ABO ForschungsNewsletter: https://www.dzla.de/forschungsnewsletter-des-dzla/
ABO Podcast WissenstransFair: https://www.dzla.de/podcast-wissenstransfair/
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Editorial (August 2020)


Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum dritten Newsletter des DZLA im Jahr 2020. In diesen Newsletter integriert ist wieder der dreimonatig erscheinende ForschungsNewsletter des DZLA, in dem der Kollege Müller-Hergl erneut 15 aktuelle Studien aus dem Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung auf ihre Essenz herunterbricht und diskutiert.
Das immer noch beherrschende mediale Thema im Moment ist zu Recht noch immer die Corona-Pandemie und mit dieser geht erstaunlicherweise eine in meinen Augen – quer durch die Bevölkerung geführte – begrüßenswerte Diskussion um Bedeutung und Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnisse einher. Nun kann man in diesem Zusammenhang natürlich darüber klagen, dass diese Diskussion vielfach unsachlich und teils sogar polemisch geführt, Wissenschaft von manchen gar unter einen betrügerischen Generalverdacht gestellt und als Erfüllungsgehilfe politischen Willens diffamiert wird. Aber ich stelle vor allem eine andere, positive Entwicklung fest:

Noch nie haben sich – so meine Wahrnehmung – so viele Bürger für wissenschaftliche Erkenntnisse interessiert und noch nie gaben sich Wissenschaftler*innen derart viel Mühe, von Nicht-Wissenschaftler*innen verstanden zu werden!

Und Beides wird von uns im DZLA natürlich mit großer Freude gesehen und wahrgenommen. Der Umgang mit wissenschaftlichen Ergebnissen in der Corona-Krise entspricht unserem Credo im Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA):

Wissenschaft und Praxis im Dialog

Und genau dieses Credo ist es, was uns hier im DZLA weiterarbeiten lässt und uns vorantreibt. Wie Sie auf unseren Seiten verfolgen können, entwickeln wir fortlaufend neue Formate und Formatserien des Wissenstransfers. Und was soll ich sagen: Unsere Mühen werden von Ihnen angenommen! Unsere Zahlen auf unseren kostenfreien Social-Media-Kanälen steigen fortlaufend, andere Institutionen aus Wissenschaft und Praxis „folgen“ unseren Beiträgen und Kanälen, Personen beginnen Diskussionen unter unseren geschriebenen Postings oder Videos, wir bekommen Lob und Kritik zu unserer Arbeit und vor allem stellen wir fest, dass immer wieder neue Personen bei Recherchen auf uns stoßen oder von anderen auf uns hingewiesen werden! Das DZLA hat also nicht nur einen neuen Resonanzraum in der gerontopsychiatrischen Versorgung geschaffen … - viel wichtiger ist: es erhält auch tatsächlich Resonanz! Was kann es Schöneres geben als festzustellen, dass die eigene Arbeit „einen Unterschied macht“! Dafür möchten wir Ihnen allen von Herzen danken und Ihnen natürlich versichern, dass wir auf dem eingeschlagenen Wege weitergehen werden und hoffen, dass Sie uns weiterhin kritisch begleiten.

Dieser Newsletter des DZLA beinhaltet wieder den ForschungsNewsletter, der auch online auf unserem Blog abrufbar ist. Wir vom DZLA möchten ihn auch gezielt nutzen, um sie auf unsere DialogKonferenz am 4. November dieses Jahrs vorzubereiten, in der das gerontopsychiatrische Team selbst im Mittelpunkt der Konferenz steht. Darum haben wir in den ausgewählten Studien einen von zwei Schwerpunkten auf Forschungen zum Team gesetzt. Zur weiteren Vorbereitung haben wir zudem im Rahmen unseres Formates „Im Gespräch“ im vergangenen Monat eine Beitrag mit spannenden Videomitschnitten aus einem Gespräch zum Thema mit einem gerontopsychiatrischen Team veröffentlicht (https://www.dzla.de/team-interview-gerontopsychiatrie/).

Für Aufmerksamkeit hat ein Video-Interview mit Sabine Jansen in unserer Serie „Im Gespräch“ gesorgt. Anfang Juli haben das Familien- und Gesundheitsministerium des Bundes unter dem Co-Vorsitz der Deutschen Alzheimergesellschaft die „Nationale Demenzstrategie“ für unser Land verabschiedet und in Kraft gesetzt. Aus diesem Grunde habe ich mit Sabine Jansen – seit über 20 Jahren Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimergesellschaft – ein kritisches - aber wie ich finde, ergiebiges Video-Interview zur Strategie geführt und auf unserem Blog und in unserem „Podcast Wissenstransfair“publiziert. Aber unsere Publikationen waren bislang fast die einzigen öffentlichen Resonanzen zur Strategie. Es ist schon fast absurd, dass eine derart wichtige – uns alle betreffende – Publikation und Maßnahmenbeschreibung quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet … - aber das lassen wir natürlich nicht zu!
Des Weiteren habe ich wiederum eben zu dieser Nationalen Demenzstrategie ein Videointerview mit Helga Rohra, Demenzbetroffene und Aktivistin, geführt. Dieses Video wird am 25.08.2020 auf unserem Blog und unseren social-media-Kanälen erscheinen. Es war für mich sehr spannend, eine direkt Demenzbetroffene mit ihrer „Innenperspektive“ zur Strategie und vielen anderen Bereichen zu befragen. Schon einmal vorab: Frau Rohra kritisierte nicht, was in der Strategie steht … - es ist eher das, was sie dort vermisst, was sie aufhorchen lässt.

Wie Sie wissen, werden wir für drei Jahre vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) bis zum März 2021 gefördert. Um auch über diesen Zeitraum hinaus unserer Tätigkeit hier an der Hochschulen Osnabrück nachgehen zu können, haben wir im Juni 2020 unsere „kleine, aber feine DialogAkademie gegründet, in der wir selbst und von uns ausgewählte Referent*innen ausgesuchte Präsenz- und Onlineseminare anbieten. Die DialogAkademie hat neben dem Ziel des Wissenstranfers im Bereich der gerontopsychiatrischen Pflege für uns natürlich die Aufgabe, die Kosten des ansonsten kostenfreien Wissenstranfers des DZLA – unserer Kernidee – teilweise zu refinanzieren. Im Moment arbeiten wir mit Hochdruck an einem Seminarprogramm für das Jahr 2021 und können bereits verkünden, dass es uns gelungen ist, weitere hochkarätige Expertinnen für spannende Seminare zu gewinnen. Und wir wachsen weiter … (https://www.dzla.de/#dialogakademie).

Soeben haben wir allerdings bezüglich unserer DialogAkademie einen „kleinen“ Rückschlag erfahren. Die Hochschule Osnabrück, unter dessen Dach das DZLA arbeitet, hat soeben sämtliche öffentliche Veranstaltungen mit hochschul-externen Teilnehmern bis zum 28.Februar 2021 untersagt. Alles weitere dazu in diesem Newsletter unter der Rubrik Neues aus dem DZLA.
Wie mehrfach erwähnt, sind wir bei der (Weiter-)Finanzierung unserer kostenfreien Arbeit auch auf Ihre Hilfe angewiesen! Besuchen Sie unsere Seiten, erzählen Sie Anderen davon und: Auch eine monetäre Einzelspende oder ein Bezahlabonnement sind bereits jetzt möglich. Da es leider noch etwas dauert, bis letzteres online möglich wird, scheuen Sie sich bitte nicht, uns deswegen persönlich per Mail/Telefon anzusprechen. Wir würden uns sehr freuen! Jede Spende hilft, die Arbeit des DZLA – den kostenfreien Wissenstransfer in die Gesellschaft - dauerhaft an der Hochschule Osnabrück und im DNQP zu verankern. Bei Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Detlef Rüsing
Osnabrück, am 18. August 2020


NEUES AUS DEM DZLA

DZLA muss Seminare der DialogAkademie auf 2021 verschieben


Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die diesjährigen Seminare der DialogAkademie auf das kommende Jahr verschoben werden. Die Hochschule Osnabrück als Hausherr des DZLA hat aufgrund Corona-bedingter Hygienevorschriften sämtliche öffentliche Veranstaltungen mit hochschulexternen Teilnehmer*innen bis zum 28. Februar 2021 untersagt. Die betroffenen Seminare werden aus diesem Grunde im nächsten Jahr erneut angeboten. Bereits angemeldete Teilnehmer*innen können entweder auf das Seminar im kommenden Jahr kostenneutral umbuchen oder sich die Teilnahmegebühr rückerstatten lassen. Die angemeldeten Teilnehmer*innen betroffener Veranstaltungen werden in den kommenden Tagen von uns kontaktiert.

Programm der 1. DialogKonferenz ist fix & findet als „Zoom-Konferenz“ statt


Unser Programm unserer ersten DialogKonferenz zum Thema „Das Team als Therapeuticum“ ist fix und wir können Ihnen versprechen, dass es spannend wird. Es ist uns gelungen, hochkarätige Referent*innen zu gewinnen, die neben uns selbst weitere inhaltliche Beiträge liefern werden. Wichtig ist zu erwähnen, dass die Konferenz nun endgültig als ZOOM-Konferenz online stattfinden wird. Die Hochschule Osnabrück als Hausherr des DZLA hat sämtliche öffentliche Veranstaltungen mit externen Teilnehmern bis zum 28. Februar untersagt. Der Teilnahmebeitrag zur Zoom-Konferenz beträgt – wie gehabt - 100 Euro.
[Zum Programm und zur Veranstaltungsbuchung:https://www.dzla.de/dialogkonferenz-team/]

DZLA diskutiert die „Nationale Demenzstrategie


Im Juli 2020 ist die Nationale Demenzstrategie für Deutschland erschienen. Obschon diese für die weitere konzeptionelle Ausrichtung der Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenz höchstrelevant ist, wird bislang – auch in der Fachwelt – kaum über diese Strategie diskutiert.

Das DZLA hat sich der Strategie direkt nach Erscheinen intensiv gewidmet und mit zwei Videointerviews Sabine Jansen (20.07.2020) & Helga Rohra (25.08.2020) wichtige Stimmen gesammelt und kritisch nachgefragt. Diskutieren Sie auf unserem Blog oder anderen Social-Media-Kanälen mit uns.



DZLA erweitert Seminarprogramm der „DialogAkademie“


Ab Juni 2020 startet das DZLA die DialogAkademie, in der das Team des DZLA sowie ausgewiesene weitere Expert*Innen Präsenz- und Onlineseminare sowie Tagungen/Konferenzen kostenpflichtig veranstalten. Das Programm der DialogAkademie dient in Gänze der Verstetigung und Erweiterung des kostenfreien Online-Angebotes des DZLA.

Folgende Seminare/Tagungen sind bereits online buchbar
  • November 2020: Online-DialogKonferenz zum Thema „Das Team als Therapeuticum“ (Team DZLA)
  • März 2021: Was Raumgestaltung so alles bewirken kann (Dr. B. Radzey)
  • April 2021: Angst & Demenz (D. Rüsing)
  • Oktober 2021: Haltung erfassen und verändern (Dr. C. Zemlin)
  • November 2021: DialogKonferenz – Wissenstransfer (Team DZLA)
Weitere Seminare sind sind bereits geplant und werden in Kürze zur Verfügung stehen … - es bleibt spannend!

Sämtliche Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf dem Blog des DZLA: https://www.dzla.de/dialogakademie-seminare/.




Ihr Platz im DZLA


SCHALTEN SIE SICH EIN UND POSTEN IHREN BEITRAG
Ihre Institution hat eine praxisrelevante Studie im Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung durchgeführt, deren Ergebnisse Sie zur Information und Diskussion auf unserem Blog verbreiten wollen? Ihre Einrichtung praktiziert ein Versorgungskonzept welches als Best-Practice Modell nach Nachahmung ruft? Sie haben als Person eine besondere Idee, die sie unter das Volk bringen wollen?
In unserer Serie „Ihr Platz …“ machen wir genau das, was der Serienname verspricht: Wir verschaffen Ihnen einen Platz im „Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)“.

An jedem dritten Donnerstag im Monat wartet „Ihr Platz …“ auf Sie. Ob Einzelperson, Forschungsinstitution, Pflegeanbieter oder … oder ... oder …. Einzige Voraussetzung: Sie produzieren den Beitrag – in egal welchem Format – in Absprache mit uns und wir begleiten Sie redaktionell. Das letzte Wort, ob der Beitrag veröffentlicht wird, allerdings liegt bei uns. Darum sprechen wir vor der Produktion miteinander.

SIE HABEN EINE IDEE?
Nähere Informationen: https://www.dzla.de/ihr-platz-im-dzla/
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

Neues aus dem DNQP


Im DNQP wurden in den letzten Wochen zwei Projekte auf die Zielgerade gebracht.
Die beiden Expertenstandards zum chronischen und zum akuten Schmerz wurden seit 2018 von einer Expertenarbeitsgruppe gemeinsam aktualisiert und zu einem gemeinsamen Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege zusammengefasst. Der Auszug aus dem Expertenstandard, die Anlagen zur Literaturstudie sowie das Auditinstrument zum Expertenstandard stehen zum Download zur Verfügung, die vollständige Veröffentlichung kann ab sofort über die Homepage des DNQP bestellt werden.

Darüber hinaus läuft derzeit die öffentliche Konsultationsphase zur 1. Aktualisierung des Expertenstandards „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“, der vom DNQP im Auftrag der Vertragsparteien nach § 113 Abs. 1 SGB XI seit Mitte letzten Jahres von einer Expertenarbeitsgruppe auf seine Aktualität geprüft wurde. Der Entwurf des aktualisierten Expertenstandards steht zusammen mit den Kommentierungen und der aktuellen Literaturstudie auf der Homepage des DNQP zur Verfügung. Rückmeldungen zu dem Entwurf können noch bis 06. September 2020 per E-Mail an das DNQP gerichtet werden.
Weitere Informationen zum DNQP finden sich unter: www.dnqp.de.
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Editorial - ForschungsNewsletter


Mit unserem (Forschungs-)Newsletter des DZLA wollen wir Ihnen regelmäßig alle 3 Monate eine Auswahl von 15 Studien aus dem Forschungsfeld Gerontopsychiatrie vorstellen. Dies ist ein weites Feld mit einer sehr breiten Palette von Themen. Wir hoffen mit der einen oder anderen Auswahl Ihr Interesse getroffen zu haben. Falls nicht, geben Sie uns einen Hinweis, was Sie interessiert. Gerne gehen wir dem nach.
An dieser Stelle möchten wir Sie darauf hinweisen, dass sowohl Auswahl als auch Zusammenfassung der einzelnen Studien subjektiv sind und nicht das Lesen der Originalstudien ersetzen. Zu diesem Zweck sind jeweils die Originalquellen verzeichnet.

Ihr Team des DZLA



Zunächst eine kurze Übersicht zu den vorgestellten Studien:

Dieser Newsletter umfasst zwei Schwerpunkte: Mitarbeiter*innen und Teams in der gerontopsychiatrischen Arbeit sowie Menschen mit Demenz im Krankenhaus.
Mit dem ersten Schwerpunkt möchten wir Sie auf unsere Tagung ‚Das Team als Therapeuticum‘ am 04.11.2020 an der Hochschule Osnabrück einstimmen.

Teams in der gerontopsychiatrischen Arbeit

Der wichtigste Milieufaktor oder auch, wenn man will, das wichtigste Medikament für gerontopsychiatrisch veränderte BewohnerInnen sind die Menschen, die sie umgeben und für sie sorgen. Dies sind in erster Linie die An- und Zugehörigen, in zweiter Linie die professionellen MitarbeiterInnen: Pflegende, Betreuende, Ärzte, Therapeuten. Aus vielen Studien zur Pflege und Therapie ist bekannt, dass es die unspezifischen Effekte, also die Haltung und die Person der sorgenden Person sind, die einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben: eine Halt und Sicherheit vermittelnde, zugewandte Haltung. Dazu gehört, mit den Klienten im Kontakt zu bleiben und eine Allianz zu bilden (‚alliance is true compliance‘), Hoffnung, Sinn und Perspektive, zuweilen auch Trost zu vermitteln, unabhängig von der Patientenrolle eine positiv besetzte Identität zu pflegen (‚ich bin nicht nur meine Depression‘), Empowerment zu betreiben – vermitteln, was hilfreich ist, was Kontrolle ermöglicht, welche Gelegenheiten zu nutzen und zu meiden sind, sowie die eigene Erkrankung zu verstehen helfen, so dies möglich ist (Psychoedukation).

Den Auftakt macht eine Studie, die überblicksartig verschiedene Aspekte der Arbeitsmotivation zusammenfasst. Besonders hervorgehoben werden eine unterstützende Arbeitsumgebung sowie die Leitungs- und Führungsqualität. Freiräume und Verantwortung zählen mitunter mehr als finanzielle Entschädigung. Eine angehängte niederländische Studie macht deutlich: je hoffnungsvoller die Mitarbeitenden, desto höher fiel das Wohlbefinden der BewohnerInnen aus. (1)
Die kanadische Studie zum moralischen Stress zeigt auf, dass es die ‚front-line-workers‘, also zumeist die Pflegeassistentinnen sind, die am moralischen Stress leiden und diesem ungeschützt ausgesetzt sind. Sie erleben hautnah, dass das, was sie tun, für die Klienten nicht ausreicht. Häufiger Personalwechsel ist die Folge. Examinierte haben andere Quellen, um die berufliche Zufriedenheit aufrecht zu erhalten. (2)
Auch die dritte Studie geht Themen der Pflegeassistenten nach. Pflegeassistenten haben eigene subjektive Pflegetheorien, gemäß derer das Pflegen eine natürliche Begabung darstellt. Nur wenn diese vorhanden sei, nutze Fortbildung etwas. Zu pflegen sei wie ein Schicksal, eine Droge, von der man – trotz widriger Umstände – nicht lassen könne. KollegInnen und Team bilden den entscheidenden motivationalen Hintergrund für die eigene Arbeit. Dort findet sich ein Fundus von Lösungsmöglichkeiten für Klienten und für sich selbst, auf die man zurückgreifen kann. Interessant dabei: bisherige Pflegetheorien nehmen wenig Bezug auf die subjektiven Theorien von Pflegeassistenten. Vielleicht erklärt dies zum Teil, warum der Teamfrage bisher wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. (3)
Teams, in denen man einander gut hilft, sind auch innovativ. Ein prosoziales Teamklima ist als für die Anpassungsprozesse einer Organisation von hoher Bedeutung. Für Leitungen bedeutet dies: Teams muss genügend Zeit und Raum gewährt werden, um einander gut kennen zu lernen und sich in Wissen, Haltung und Fertigkeiten aufeinander einzustellen. (4)
Die Bedeutung der Fortbildung für die Personalentwicklung ist umstritten. Die englische Studie zeigt, wie Pflegende Fortbildungen beurteilen: kleine Gruppen, interaktive Methoden, Nachfolgetreffen und beständige Anpassung an die Lernbedürfnisse werden positiv bewertet. Nebenbei: e-learning kommt gar nicht gut an! (5)
Über die Lernbedarfe von ambulant Pflegenden ist wenig bekannt. Die Studie beschreibt, dass bestehende Lernprogramme wenig für die multiethnische Gruppe von Pflegeassistentinnen geeignet sind, die in der Regel die Hauptlast der ambulanten Pflege tragen. Insbesondere psychiatrische Krankheitsbilder sind weitgehend unbekannt, so dass sich die Pflegenden den Angriffen der Klienten häufig ausgeliefert sehen und nicht wissen, wie sie sich selbst emotional regulieren können. Dieses Wissen sollte eher arbeitsbegleitend und weniger seminaristisch vermittelt werden. (6)
Für spanische KollegInnen erwiese sich die aktive Einbeziehung von Menschen mit Demenz an der Pflegeplanung als Schlüsselmoment für die eigene Haltung. Man begann, die eigenen Prioritäten zu hinterfragen und die Art, wie man über Klienten spricht, nachhaltig zu verändern. Die konkrete Gegenwart von Menschen mit Demenz in der Planung trug wesentlich zu einer personzentrierten Haltung bei. (7)
Pflegende scheinen sich selbst bewusst die Erlaubnis geben zu müssen, sich gut um sich selbst zu kümmern. ‚Hartverdrahtete‘ Pflegende schauen derart ausschließlich auf Bedürfnisse anderer, dass sie sich selbst nur mit Mühe in den Blick bekommen. Das Team erweist sich als wichtige Stütze, um sich sicher und geschützt zu fühlen. Oft sei man einem Ansturm ausgesetzt, der einen ‚ausdünnen‘ lasse – wie zu wenig Butter auf zu viel Brot verteilt. Selbstpflege der Pflegenden, so das Fazit, müsse sehr früh in der beruflichen Sozialisation verankert werden. (8)
Es ist schon bemerkenswert: von all den schönen evidenzbasierten Interventionen für Menschen mit Demenz halten die Pflegenden recht wenig. Wichtiger sei es, jeden individuell zu behandeln, für Schmerzfreiheit zu sorgen, sich Zeit für Gespräche zu nehmen, auch, um den Ursachen für herausfordernde Verhaltensweisen nachgehen zu können. Schulungen sind nicht unwichtig, spielen aber für den Umgang eine eher marginale Rolle. Auch hier erneut: e-learning kommt nicht gut an! (9)

Demenz und Krankenhaus

Demenz und Krankenhaus können nicht gut miteinander! Die funktionale Orientierung gibt Pflegenden und Menschen mit Demenz wenig Chancen. In der Regel steht die akute Diagnose im Zentrum einer standardisierten Behandlungsplanung, die Demenz nur als Störfaktor wahrnimmt. Dass der Patient sich nicht anpassen und die Krankenrolle nur ungenügend einnehmen kann, bildet einen unlösbaren Widerspruch zu den Normerwartungen. Wer sich nicht fügt, gehört nicht hierher- oder aber, er wird gefügig gemacht. Das Handeln – medizinisch, pflegerisch, ökonomisch - ist ‚geschlossen‘, Raum für lebensgeschichtliche Perspektiven und Verhandlungen nicht vorhandeln. Wo nur der Körper zählt, da haben subjektive Bedürfnisse und Befindlichkeiten als Randerscheinungen keine Bedeutung. Patienten mit Demenz sind daher wenig beliebt, erbringen wenig Gewinn, werden eher gemieden oder sediert. All dies ist unabdingbare Folge der Systemverhältnisse, an denen die Beteiligten zunächst einmal wenig ändern können.
In den letzten Jahren wird diesen Zusammenhängen international vertiefte Aufmerksamkeit zuteil. Hier nun eine Auswahl von Arbeiten aus der jüngsten Zeit:

Angehörige kennen Menschen mit Demenz zumeist am besten, was also wäre naheliegender, als diese eng in die Pflege und Planung miteinzubeziehen? Tatsächlich werden sie nur in Krisensituationen hinzugezogen wie z.B. Nahrungsverweigerung oder ‚Stationsflüchtigkeit‘. Gibt es keine Schwierigkeiten, dann wird auch nicht nachgefragt. Häufig ist die Einbeziehung auch zufällig: gerät man an den richtigen Mitarbeiter, dann gelingt sie zuweilen. Konzeptuell gesteuert ist sie selten. (10)
Eine grösser angelegte britische Studie untersucht, welche Interventionen unter welchen Umständen welche Wirkungen aufgrund welcher Faktoren haben. Es ist wichtig zu wissen, wie und warum etwas wirkt. Die Studie bezieht sich auf Daten von 2 Krankenhausorganisationen, die erhebliche Mittel in den Versuch eines demenzadäquaten Krankenhauses investiert haben. Ein kritisches Ergebnis: Pflegende im Krankenhaus arbeiten zumeist ungern mit Menschen mit Demenz und betrachten eine dahingehende Qualifikation mitunter als Karrierehindernis. Dennoch: gibt man Mitarbeiterinnen die Erlaubnis und den Handlungsspielraum, anders zu arbeiten, dann wird vieles möglich. Und wiederum: es sind die Pflegeassistenten, welche danach verlangen, demenzadäquat zu arbeiten. (11)
Vorliegende qualitative Studie aus England ist nur mit Mühe zu ertragen: es werden die alltäglichen Grausamkeiten im Krankenhaus beschrieben, die im Umgang mit Menschen mit Demenz real beobachtet wurden. Alles Verhalten, das nicht den Normerwartungen (‚Tourenplan‘) entspricht, gilt als Abwehr, als Widerstand, der um jeden Preis gebrochen werden muss. Eigenständigkeit wird als Abwehr gedeutet, welche Übernahme und Zwang erfordern, was erneut Abhängigkeit verstärkt und betoniert – ein sich selbst erfüllender Teufelskreislauf. (12)
Es kann aber auch gelingen, Systeme zu verändern. Ein gutes Beispiel dafür bildet das kanadische Programm zur Vorbereitung eines Krankenhausaufenthaltes. Insgesamt geht das Programm davon aus: jeder Mensch mit Demenz muss irgendwann ins Krankenhaus, also ist es sinnvoll, auf diese Situation gut vorbereitet zu sein. Je besser die Vorbereitung, desto eher lässt sich Selbstbestimmung ein stückweit zurückgewinnen. (13)
In der Regel werden Sitzwachen bei Menschen mit Demenz eingesetzt, die agitiert, suizidal oder delirös erscheinen. Diese Aufgabe wird zumeist von Pflegeassistentinnen durchgeführt, die oft mit der Situation und dem Verhalten überfordert sind. Krankenhäuser mit speziellen Abteilungen können zumeist gut auf Sitzwachen verzichten, da sie andere Möglichkeiten entwickelt haben, den Tag und die Nacht für ihre Klienten zu strukturieren. (14)

Zum Abschluss dieses Newsletters noch eine vielleicht ungewöhnliche Studie zu der Frage: was machen psychiatrisch Pflegende eigentlich? Im Kern besteht die Pflege darin, dass der Klient lernt, sich selbst zu helfen, zu motivieren, zu ‚behandeln‘, also zum Experten seiner eigenen Verfassung wird. (15)



Wir hoffen, Sie mit diesem Newsletter für das Thema Team und Krankenhaus interessiert zu haben und wünschen uns, wie immer, Rückmeldungen, Fragen, Anregungen.



Christian Müller-Hergl, Osnabrück im August 2020
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