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Online-Seminar: „In Ruhe lassen“ – Über die Grenzen der Aktivierung und den Sinn der Passivität

März 9;09:00 - 12:00

€75

‚In Ruhe lassen’: über die Grenzen der Aktivierung und den Sinn der Passivität

Apathie ist gekennzeichnet durch die Abnahme: von Denken, Fühlen, Motorik, Interaktionen mit Menschen und Umgebung. Die Personen zeigen kein Interesse oder Initiative und sitzen da mit ausdruckslosem Gesicht. Apathie ist charakteristisch für Demenz (ca. 1/3) und Depressivität in fortgeschrittenen Phasen, kann aber auch als Negativsyndrom im Rahmen der Schizophrenie oder als Risikofaktor für vaskuläre Erkrankungen und Schlaganfall auftreten. Menschen im Heim sind am meisten von Apathie betroffen. Apathie zeigt sich oft recht behandlungsresistent: weder Medikamente noch Aktivierungen scheinen einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen. Apathie ist oft ein Zeichen für einen rasch fortschreitenden neurokognitiven Niedergang: neurokognitive Studien haben einen direkten Zusammenhang zwischen Apathie und Veränderungen im Aufmerksamkeitsnetzwerk (Veränderungen der funktionalen Konnektivität) festgestellt – man spricht von einer einzigartigen biologischen Signatur der Apathie.

Während Professionelle die Apathie leichter hinnehmen und weniger als behandlungsbedürftig betrachten, wird sie besonders von Angehörigen als belastend erfahren. Menschen mit Apathie sind nicht notwendigerweise bedrückt, verzweifelt oder traurig noch ist es ein Zeichen von Widerstand gegen die Pflege und Betreuung. Zugleich erscheinen sie aber auch nicht glücklich oder entspannt.

Für professionell Pflegende ergibt sich immer wieder die Herausforderung zwischen dem Recht des Klienten auf Rückzug und der Pflicht, Fenster der Gelegenheit aufrecht zu erhalten, abzuwägen. Betrachtet man Apathie als Krankheitszeichen, dann ist dieser Zustand nicht Ausdruck des freien Willens, sondern des Nicht-Mehr-Könnens. Aber auch letzteres verlangt Respekt. Weiterhin ist der Kontext, in dem Apathie auftritt, entscheidend für die Bewertung: bei leichter Demenz oder im Rahmen der Depression wird sie anders zu werten und zu behandeln sein als bei fortgeschrittener Demenz.

Es scheint sich abzuzeichnen, dass ein antidepressives Vorgehen auch bei Apathie angezeigt ist selbst dann, wenn Apathie als eigenständiges Syndrom betrachtet werden muss. Ein abgestimmtes multidisziplinäres Vorgehen hat die Chance, Apathie zumindest für eine Zeit lang zu reduzieren. Dies scheint auch dann sinnvoll zu sein, wenn der Effekt der Aktivierung mit dem Fortschreiten der Demenz abnimmt.

Abschließend soll der Versuch gemacht werden, den subjektiven ‚Sinn’ der Apathie zu diskutieren: Handelt es sich um einen Anpassungsversuch der Person unter massiven neurokognitiven Bedingungen? Könnte Apathie auch als Schutz vor zuviel sensorischen Reizen verstanden werden? Kann sie gar als Ausdruck der ‚Gerontotranszendenz’ gelten, eines Rückzugs  von physischen und sozialen Aktivitäten und Beginn einer neuen Phase der Identitätsbildung?

Inhalte

  • Neuropsychiatrisches Profil und Assessment der Apathie
  • Neuropsychologische Aspekte der Apathie
  • Abgrenzung von Depressivität
  • Interventionen: Medikamente und Aktivierung

Anmeldung unter https://www.dzla.de/seminar-tagungs-anmeldung/

Seminarleiter: Christian Müller-Hergl

keine Teilnehmerbegrenzung

Das Seminar findet über Zoom-Plattform statt. Detaillierte Teilnahmevoraussetzungen und Setting werden nach der Anmeldung zugesendet.

Details

Datum:
März 9
Zeit:
09:00 - 12:00
Eintritt:
€75
Veranstaltungskategorien:
,
Veranstaltung-Tags:
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Veranstaltungsort

ZOOM-Seminar
Veranstaltungslink wird nach der Anmeldung zugesendet

Veranstalter

Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)
Telefon:
+49 541 969-3233
E-Mail:
dzla@hs-osnabrueck.de
Website:
www.dzla.de