Schlaf und Demenz

-Im Gespräch-

Neben Ernährung und Bewegung zählt Schlaf zu den entscheidenden Faktoren für physische und insbesondere psychische Gesundheit. Fast alle psychischen Störungen gehen mit Schlafproblemen einher und umgekehrt: fast alle Störungen verbessern sich, wenn die Patienten gut schlafen können. Christian Müller-Hergl hat zu den Themen Schlaf und Demenz Dr. Martin Dichter (Universität zu Köln) befragt.

Mit dem Älterwerden verschlechtern sich viele Schlafparameter: die innere Schlafuhr funktioniert nicht mehr so gut, u.a. weil weniger Melantonin produziert und das Cortisol in der Nacht weniger gut heruntergeregelt wird, man wacht häufiger auf, erfährt weniger Tiefschlaf (wichtig für die Selbstreinigung des Hirns) und vieles andere mehr. Hinzu kommen Schmerzen, häufige Toilettengänge, restless -leg-Syndrom (besonders bei Lewy-Body Demenz), aber auch Sorgen und Ängste. Schlechter Schlaf trägt auch dazu bei, die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Demenz zu erhöhen. Allerdings steigert auch die Alzheimer-Erkrankung die Häufigkeit von Schlafstörungen: ein bi-direktionaler Zusammenhang.

Im Heim ist davon auszugehen, dass Kontrollgänge, Schlafen im Doppelzimmer, langes Sitzen ohne Aktivität, wenig Spaziergänge und Lichtmangel, Nebenwirkungen der Medikamente u.ä.m. erheblich zu Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit beitragen. Schlechter Schlaf betrifft allerdings nicht nur Menschen im hohen Alter mit oder ohne Demenz, sondern auch die Mitbewohner*innen, Angehörige und Nachtwachen, die oft ratlos sind, wie sie auf unruhige Personen reagieren sollen. Und dies nicht nur in der Nacht: je schlechter der Schlaf, desto häufiger herausforderndes Verhalten am Tag.

Eine Schlafmedikation stellt zumeist keine gute Option dar, da die Wahrscheinlichkeit von Tagesmüdigkeit, Inkontinenz und Stützen damit steigt. Also muss es darum gehen, ein gutes Schlafmanagement zu entwickeln mit möglichst personalisierten Elementen der nicht-medikamentösen Schlafhygiene. Dies zu entwickeln ist der Kerngedanke der im Interview mit Dr. Martin Dichter vorgestellten Intervention. Hierbei wird versucht, an mehreren Stellen anzusetzen: am Wissen der Pflegenden, an der Einrichtung von Beauftragten für das Schlafmanagement, an den Rahmenbedingungen, unter denen Schlafprobleme auftauchen. Schlaf ist eben nicht nur ein personenbezogenes, sondern ein institutionelles Problem.


Wenn sie eine Frage an uns haben: Dann nutzen Sie die Kommentarfunktionen unter den einzelnen Posts oder schreiben uns direkt!

Christian Müller-Hergl

Dialogzentrum Leben im Alter (DZLA)


Literatur/Quellen:

https://www.dzne.de/forschung/studien/projekte-der-versorgungsforschung/monopol-sleep/

https://www.monopol-sleep.de

Dichter, M. et al. (2021). Evaluation of a multicomponent, non-pharmacological intervention to prevent and reduce sleep disturbances in people with dementia living in nursing homes (MoNoPol-sleep): study protocol for a cluster-randomized exploratory trial. BMC Geriatrics, 21:10, https://doi.org/10.1186/s12877-020-01997-8

Wilfling D, Hylla J, Berg A, Meyer G, Köpke S, Halek M, Möhler R, Dichter MN:
Characteristics of multi-component, non-pharmacological interventions to
reduce or avoid sleep disturbances in nursing home res-idents: A systematic
review. International Psychogeriatrics 2020.https://doi.org/10.1017/S1041610220000733

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.