Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020

Expertenstandard - Schmerzmanagement in der Pflege

Die Aktualisierung der Expertenstandards zum Schmerzmanagement in der Pflege

– Post vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege –

Bislang lagen zwei Expertenstandards zum pflegerischen Schmerzmanagement vor, der Expertenstandard zum Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen in einer ersten aktualisierten Fassung von 2011 und der Expertenstandard zum Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen, der erstmals 2015 veröffentlicht wurde. Im Rahmen des gemäß dem methodischen Vorgehen des DNQP durchgeführten jährlichen Monitorings zur Prüfung der Aktualität der Expertenstandards kamen insbesondere von Seiten der Expertinnen und Experten aus der Pflegepraxis und im Rahmen fachlicher Anfragen oder seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weiterbildungsprogramms zur Arbeit mit Expertenstandards und Auditinstrumenten Hinweise, die den Wunsch nach einer Zusammenlegung der beiden Standards beinhalteten. Hierbei wurde deutlich, dass insbesondere in der Langzeitpflege die beiden Schmerzarten vornehmlich zusammen betrachtet und bei der Einführung der Standards entsprechende Konkretisierungen zum pflegerischen Schmerzmanagement bereits häufig gemeinsam für beide Schmerzarten vorgenommen werden.

Als Begründung für eine Zusammenlegung wurde vor allem aus der Pflegepraxis vielfach angeführt, dass ein wirksames pflegerisches Schmerzmanagement nur gelingen kann, wenn das Phänomen Schmerz in seiner Gesamtheit betrachtet wird. Zudem wurde angemerkt, dass die beiden Expertenstandards zum akuten und chronischen Schmerz bereits viele inhaltliche Überschneidungen und Gemeinsamkeiten aufwiesen und in einer Zusammenlegung die Chance liegen könnte, Zusammenhänge, Übergänge sowie Unterschiede beider Schmerzarten zu verdeutlichen.

Vorbehalte gegen eine Zusammenlegung der beiden Expertenstandards bestanden aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzungen und Herangehensweisen im Umgang mit der jeweiligen Schmerzart. Zudem wurde die die Gefahr gesehen, dass die Bedeutung pflegerischen Handelns bei der jeweiligen Schmerzart im Zuge einer Zusammenlegung nicht ausreichend verdeutlicht werden könnte.

Als Voraussetzungen für eine Zusammenlegung wurden insbesondere die Darstellung der unterschiedlichen Zielsetzungen und der Unterschiede bzw. Besonderheiten in der Versorgung der jeweiligen Schmerzart angeführt.

Nach eingehender Prüfung des individuellen Aktualisierungsbedarfs der beiden Expertenstandards hat eine Arbeitsgruppe aus Experten und Expertinnen im März 2019 mit der gemeinsamen Aktualisierung des Expertenstandards begonnen. Das Ergebnis des Aktualisierungsprozesses liegt seit Anfang August 2020 nun als „Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020“  vor. Diese aktualisierte und nun gültige Fassung ersetzt beide bisherigen Schmerzstandards in der Pflege.


Was ist neu? Was ist geblieben?

Natürlich folgt auch dieser Expertenstandard in bewährter Art und Weise der Logik des Pflegeprozesses und beginnt mit einem Screening und einem tiefergehenden Assessment der Schmerzsituation, gibt darauffolgend Empfehlungen zur Planung von Maßnahmen und ihrer Durchführung und verdeutlicht abschließend die herausragende Bedeutung einer regelmäßigen und anlassbezogenen Bewertung der Wirksamkeit pflegerischer Maßnahmen unter Einbezug einer regelmäßigen Verlaufskontrolle.

Das Konzept der stabilen und instabilen Schmerzsituation, welches erstmalig beim Expertenstandard zum Schmerzmanagement bei chronischen Schmerzen Anwendung fand, wurde nun auch für akute Schmerzen übernommen. Demnach sind akute Schmerzen zunächst grundsätzlich als instabil zu betrachten. Das Ziel besteht darin, die Schmerzen schnellstmöglich zu beseitigen bzw. auf ein subjektiv akzeptables Maß zu reduzieren und somit zu stabilisieren. Bei chronischen Schmerzen steht im Gegensatz weniger die Schmerzfreiheit, sondern die Stabilität einer Schmerzsituation und die Ausrichtung an den Selbstmanagementkompetenzen des Betroffenen im Vordergrund.

Eine weitere grundlegende Veränderung ist der Verzicht auf eine Orientierung an einem allgemeinen Cut-off-Wert, ab dem eine medikamentöse Intervention durchgeführt werden sollte, wie dies im bisherigen Expertenstandard zum Schmerzmanagement bei akuten Schmerzen formuliert wurde. In der Expertenarbeitsgruppe bestand Einigkeit darüber, dass für die Beurteilung einer akzeptablen Schmerzsituation das individuelle Schmerzmaß des betreffenden Menschen mit Schmerzen ausschlaggebend ist. Es gilt, mit jedem Menschen mit Schmerzen eine individuelle maximale Schmerzstärke festzulegen, die als Orientierungswert für die Verordnung und Gabe einer analgetischen Bedarfsmedikation dienen kann.

Aufgrund der gemeinsamen Behandlung beider Schmerzarten in dem vorliegenden Expertenstandard sind viele Empfehlungen in den Kommentierungen grundlegender formuliert. Die Herausforderung besteht somit nun umso mehr auf der Einrichtungsebene, die erforderlichen Konkretisierungen und Ausgestaltungen im jeweiligen Praxisfeld vorzunehmen. Zudem bestand bei der Zusammenlegung die große Herausforderung, die Empfehlungen zum pflegerischen Schmerzmanagement sowohl bei stabilen und instabilen Schmerzsituationen, als auch bei akuten wie chronischen Schmerzen in den Kommentierungen zu den jeweiligen Kriterien des Expertenstandards ausreichend übersichtlich dazustellen und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu berücksichtigen. Zu besseren Auffindbarkeit finden sich in der Veröffentlichung zum Expertenstandard entsprechende Hervorhebungen.


Veröffentlichung des aktualisierten Expertenstandards

Der Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege – Aktualisierung 2020“ ist das Ergebnis der Diskussion und Abstimmung zwischen der Expertenarbeitsgruppe, der Fachöffentlichkeit sowie dem wissenschaftlichen Team und dem Lenkungsausschuss des DNQP. Die Veröffentlichung setzt sich zusammen aus dem aktuellen Expertenstandard mit Präambel und Kommentierungen, der aktuellen Literaturstudie sowie dem Auditinstrument zum Expertenstandard. Das Auditinstrument steht zusätzlich als PDF-Datei auf der Homepage des DNQP zum kostenlosen Download zur Verfügung. Zusätzlich kann zur Erleichterung der Auswertung eine elektronische Version der Auswertungsdateien angefordert werden.

Der Expertenstandard ist – wenn auch eine Zusammenführung aus beiden bisherigen Expertenstandards zum Schmerzmanagement – nicht als Neuentwicklung zu verstehen, da sich die beiden bisherigen Instrumente grundsätzlich bestätigt haben. Für eine erneute modellhafte Implementierung besteht somit aus qualitätsmethodischer Sicht keine Notwendigkeit.

Das DNQP empfiehlt vielmehr, zu Beginn der Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Expertenstandard ein Audit durchzuführen, um zu überprüfen, inwieweit die aktuellen Empfehlungen bereits im eigenen Praxisfeld umgesetzt werden und zu welchen Aspekten des pflegerischen Schmerzmanagements noch Handlungsbedarf besteht. So lassen sich spezifische Anpassungs- und Schulungsbedarfe ermitteln sowie gezielte Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung ableiten.

Moritz Krebs & Heiko Stehling


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