Was unterstützt die Qualitätssteuerung in den Einrichtungen?

Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

– Post aus dem DNQP –

Das DNQP-Praxisprojekt zum Expertenstandard Entlassungsmanagement.

Seit Mai 2019 steht der Expertenstandard zum Entlassungsmanagement in der Pflege nun in einer bereits zum zweiten Mal aktualisierten Fassung der Fachöffentlichkeit zur Verfügung. Die Ergebnisse dieser zweiten Aktualisierung wurden im Frühjahr 2020 im Rahmen des DNQP-Netzwerkworkshops vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert.

Trotz der im Frühjahr nicht absehbaren Entwicklung der Belastungen, die mit der Corona-Pandemie in vielen Einrichtungen verbunden sein würden, haben sich 11 Krankenhäuser und zwei Einrichtungen der Kurzzeitpflege entschlossen, an einem DNQP-Praxisprojekt zum Expertenstandard teilzunehmen. Das Projekt ist im April 2020 gestartet und wir hoffen auf Ergebnisse zu Jahresbeginn 2021.

Kern des Praxisprojekts ist die wissenschaftlich begleitete Erhebung des aktuellen Qualitätsniveaus zum pflegerischen Entlassungsmanagement. Es gliedert sich in drei Phasen: ein einrichtungsinternes Audit zum Stand des pflegerischen Entlassungsmanagements, eine mögliche Anpassung des Entlassungsmanagements an das Qualitätsniveau des Expertenstandards und die Erhebung von Kennzahlen zu Qualitätsindikatoren. Das Praxisprojekt verfolgt dabei das zentrale Ziel, diese Qualitätsindikatoren auf der Grundlage des Expertenstandards zu erproben und zu evaluieren, ob sie für die einrichtungsinterne Qualitätssteuerung geeignet sind. Mittlerweile ist das Projekt in der Phase der Kennzahlenerfassung angelangt.

Mit den zweiten Aktualisierungen der Expertenstandards werden wir also zusätzlich zu den bereits bekannten Auditinstrumenten ein weiteres Instrument etablieren, und zwar Indikatoren auf Basis der Expertenstandards. Für den Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe ist das bereits erfolgreich gelungen, die Ergebnisse der Indikatorenentwicklung und ihre erstmalige Anwendung sind bereits in einem Projektbericht veröffentlicht.

Bislang haben wir empfohlen, den Umsetzungsgrad von Expertenstandards – und damit die Pflegequalität in Bezug zu bestimmten Pflegerisiken – vornehmlich durch die Anwendung der Audit-Instrumente zu bestimmen. In einem anderen Blogpost haben wir bereits die Funktion des Audits bei der Arbeit mit aktualisierten Expertenstandards thematisiert. Von Qualitätsindikatoren für die einrichtungsinterne Qualitätssteuerung erhoffen wir uns die zusätzliche Möglichkeit einer ressourcenschonenden Erfassung der Prozesse, die für die Entwicklung von Pflegequalität zu bestimmten Themen bedeutsam sind. Die Indikatoren stellen dabei eine Ergänzung zu den Audits dar. Die Nutzung der Auditinstrumente wird weiterhin empfohlen, insbesondere anlässlich der Implementierung neuer oder aktualisierter Expertenstandards und als Folgeaudits.

Indikatoren sollen es im Rahmen des internen Qualitätsmanagements bei begrenztem Aufwand der Datenerhebung ermöglichen, Hinweise auf den Umsetzungsgrad angestrebter Qualitätsziele zu erfassen. Sie sind zudem hilfreich bei der Unterscheidung zwischen guter und verbesserungswürdiger Qualität. Demnach dient ein Qualitätsindikator zur Bewertung, ob ein bestimmtes Qualitätsziel erreicht wird. Ein Indikator ist also kein direktes Maß für Qualität, sondern ein Werkzeug, das zur Leistungsbewertung dient und die Aufmerksamkeit auf Problembereiche lenken kann, die einer weitergehenden Auseinandersetzung innerhalb einer Organisation bedürfen. Für eine solche, anlassbezogene Überprüfung können dann beispielsweise die Auditinstrumente genutzt werden.

Indikatoren sind in diesem Verständnis quantitative Qualitätsinstrumente, die mit anderen Qualitäts­instrumenten verbunden sein müssen. Mittels Qualitätsindikatoren können demnach Leistungen nur vor dem Hintergrund vorab festgelegter Qualitätsziele und Qualitätsniveaufestlegungen, wie sie in den Expertenstandards erfolgen, bewertet und gesteuert werden.

Zum Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege wurden zwei Indikatoren entwickelt, einer zur Entlassungsplanung und einer zur Evaluation der Entlassung. Beide fokussieren die Prozessqualität. Zu beiden Indikatoren gehören mehrere, mit einander verbundene Kennzahlen.

Für die Analyse der erfassten Kennzahlen setzen wir im Rahmen unserer Praxisprojekte Run Charts, Laufdiagramme, ein. Laufdiagramme ermöglichen auf einfache Art und Weise eine Übersicht über erfasste Kennzahlen, ihren Vergleich und die Analyse zufälliger oder nicht-zufälliger Veränderungen im Verlauf. Sie helfen bei der Interpretation von Prozessen, erlauben aber keinen direkten Rückschluss auf die Qualität.

Noch werden sie in der Pflegequalitätsentwicklung selten eingesetzt, dementsprechend liegen neben einem sehr aufschlussreichen Artikel von Prof. Dr. Jan Kottner (Kottner J. Vergleichende Qualitätsmessungen Teil 1: Laufdiagramme. Pflege 2012;25:197-206) kaum Veröffentlichungen zu Anwendungserfahrungen und Ergebnisinterpretationen von Run Charts in deutscher Sprache vor.

Wir sind allerdings davon überzeugt, dass Run Charts anwendungsfreundliche Hilfen zur Kennzahlenanalyse darstellen und daher sehr gespannt, wie ihr Nutzen im Rahmen des laufenden Praxisprojekts bewertet wird. Ebenso erhoffen wir uns von diesem Praxisprojekt auch einen Einblick in die Ausgestaltung des pflegerischen Entlassungsmanagements und die Umsetzung des Expertenstandards. Vor allem sind wir aber gespannt darauf, wie sich die neu entwickelten Qualitätsindikatoren bewähren werden. Dass uns die beteiligten Einrichtungen des Praxisprojekts diese Gelegenheit geben, freut uns sehr. Wir werden die Ergebnisse des Projekts in der ersten Jahreshälfte 2021 an geeigneter Stelle veröffentlichen.


 

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Kontakt:

Heiko Stehling, MScN

h.stehling(at)hs-osnabrueck.de

www.dnqp.de

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