„Häuslichkeit“ ist nicht immer“ zu Hause“!

Pflegen mit Wissen Dialogzentrum Leben im Alter

– Serie Kritisches Glossar –

Laut Statistischem Bundesamt wurden Ende 2017 76 Prozent von 3,4 Millionen Pflegebedürftigen „zu Hause“, also in der Häuslichkeit versorgt. Betrachtet man die Daten hinter dem Begriff der „Häuslichkeit“ oder dem „zu Hause“ genauer, stellt man folgendes fest: NICHTS!!

Niemand weiß offenbar, was diese Begrifflichkeit bedeutet oder sich hinter ihr versteckt. Aber trotzdem ist sie in „aller Munde“ …

In der Häuslichkeit oder zu Hause gepflegt zu werden, bedeutet somit laut statistischem Bundesamt lediglich, nicht in einer stationären Einrichtung versorgt zu werden. Darunter fällt es, als Pflegebedürftige(r) allein zu leben, mit Angehörigen in der angestammten Wohnung oder bei Angehörigen in deren Haushalt zu leben und .. und .. und … . Trotzdem sich hinter dem Begriff so verschiedene Wohnarrangements verbergen, fordern Politik und Öffentlichkeit unentwegt, ambulant oder „häuslich“ der stationären Pflege vorzuziehen. Das ist natürlich nachvollziehbar. Die meisten Menschen wollen nicht in eine Alteneinrichtung. Aber was dann? Ist es egal, welches häusliche Wohnarrangement angeboten wird … bestimmt nicht.


Detlef Rüsing betrachtet in diesem Video der Serie „Kritisches Glossar“ das gebräuchliche Konzept der „häuslichen Versorgung Pflegebedürftiger“ und stellt eine große Diskrepanz zwischen öffentlicher Diskussion und gelebtem Wunsch dar. Die Frage, um die sich offenbar keiner wirklich kümmert, heißt: Wie wollen wir im Alter (mit Pflegebedürftigkeit) leben?

Dialogzentrum Leben im Alter Ehepaar Partner

Quellen


2 Antworten

  1. Norbert Zimmering sagt:

    Danke für den Beitrag. Er unterstreicht, wie fahrlässig wir mit Begriffen umgehen. Als Einrichtungsleiter hat mich immer ein Wort von Christian Morgenstern begleitet : Nicht da bin ich zu Hause, wo ich meinen Wohnsitz habe, sondern wo ich verstanden werde. Gerade in meiner Angehörigenarbeit begegnet mir der Wunsch, in meiner mir vertrauten Umgebung, die mehr ist als nur vier Wohnräume, auch sterben zu wollen. Die Erinnerung an den Lebenspartner, mit dem ich u. U. dreissig Jahre und länger Tag und Nacht zusammengelebt habe, kann ich nicht mitnehmen, wenn das Schicksal es will, in ein Pflegeheim umziehen zu müssen. Allein mein Geruchssinn sagt mir ganz schnell, dass ich nicht mehr dort bin, was ich als mein Zuhause angenommen, erlebt habe.

    • Detlef Rüsing sagt:

      Lieber Herr Zimmering (Norbert),
      vielen lieben Dank für den Beitrag. Ja, es stimmt: Häuslichkeit (wie es uns fälschlicherweise die Statistik vormacht) ist nicht immer ein zu Hause. Allerdings kann auch das vermeintlich gute Zuhause bei Pflegebedürftigkeit zum Alptraum werden! Spannend finde ich aber besonders die offensichtliche „Mär“, dass Pflegebedürftige von und bei Ihren Kindern gepflegt werden wollen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es hier mit einem Paradigmenwechsel zu tun haben oder ob es noch nie so war, wir es aber als selbstverständlich angenommen haben.
      Klar ist auf jeden Fall, dass der Satz, „70 Prozent der Pflegebedürftigen werden in der eigenen Häuslichkeit versorgt“, falsch ist. Nun stellt sich die Frage, welche Schlüsse wir daraus ziehen? Ich arbeite gerade an meinem morgigen Interview mit Sabine Jansen, der Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimergesellschaft zur gerade erschienenen Nationalen Demenzstrategie … ich frag sie morgen!
      Das Interview demnächst auf unserem Blog https://www.dzla.de
      Gruß
      Detlef Rüsing

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